Samstag, 11. Juni 2011
(Sächsische Zeitung)
Maik Wagefeld, haben Sie nun mit dem Kapitel Dynamo abgeschlossen?
Nein, das werde ich nie. Aber es wird eine zeitlang dauern, bis ich das verdaut habe, was in den letzten zwölfMonaten gelaufen ist. Es ist traurig, dass es so zu Ende geht. Trotzdem überwiegen die positiven Erinnerungen.
Trainer Ralf Loose hatte Sie für die Aufstiegsspiele noch einmal in den Profi-Kader geholt. Wie haben Sie das empfunden?
Vom Kopf her war es für mich schon vorbei, als dieser Anruf kam. Natürlich habe ich mich riesig gefreut und damit gerechnet, dass es für mich eine neue Chance gibt. Leider sagte er mir nach dem Aufstieg, dass er trotzdem nicht mehr mit mir plant. Wenn man Fußball spielen will, muss man dann sagen: Okay, es ist hier halt vorbei.
Sie hätten Ihren bis Juni 2012 datierten Vertrag aussitzen können. Immerhin galten Sie als Großverdiener …
Das war von mir nie geplant. Wer wie viel verdient, geht nur den Spieler selbst etwas an. Fakt ist, dass Dynamo mich 2009 unbedingt langfristig binden wollte. Es war nicht so, dass ich keine anderen und finanziell attraktiveren Möglichkeiten gehabt hätte. Aber mir ging es nie allein ums Geld. Dynamo ist mein Verein, meine Heimat.
Hat Ihnen Ex-Coach Matthias Maucksch mal erklärt, wieso er Sie ausgemustert hat?
Mir ist es nach wie vor ein absolutes Rätsel. Es sollten für die Position zwei neue Leute kommen, mit mir werde nicht mehr geplant. Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Anfangs hieß es noch, dass ich mich über gute Leistungen in der zweiten Mannschaft neu anbieten kann, aber das war nur eine Floskel. Dabei hatten wir sogar schriftlich vereinbart, dass ich am Training der Profis teilnehme. Dem wurde sich permanent widersetzt.
Inwiefern?
Wenn man zum Training kommt und Fußball spielen will, aber nur alleine laufen geschickt wird, hat man davon irgendwann – auf gut Deutsch gesagt – die Schnauze voll. Deshalb bin ich zur zweiten Mannschaft gegangen. Trainer Thomas Köhler hat mir mehrfach bestätigt, dass ich dort meine Leistung gebracht habe. Aber freiwillig macht man das kein zweites Jahr.
Empfanden Sie Genugtuung, als Maucksch im April entlassen wurde?
Nein.
Das wird Ihnen niemand abnehmen …
Ich habe mich bisher fair verhalten und werde jetzt nicht nachtreten. Er muss das mit sich selbst ausmachen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen und kann jeden Tag ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen. Leider kursierten die wildesten Gerüchte, die absolut aus der Luft gegriffen waren.
Es wurde unter Fans sogar gemutmaßt, Sie hätten eine Affäre mit seiner Frau …
Diese Unterstellung ist eine Frechheit. Ich weiß nicht, wer sich so etwas einfallen lässt.
Ist etwas dran, dass Sie zuvor für die Entlassung von Eduard Geyer und Ruud Kaiser mitverantwortlich waren und Maucksch den „Königsmörder“ kaltstellen wollte?
So ein Quatsch! Ich war ein absoluter Fürsprecher von Ede Geyer. Das habe ich Ralf Minge (damals Sportdirektor/d.A.) klar gesagt. Ich habe noch nie einen Trainer abgesägt. So etwas würde ich mir nie anmaßen.
Ihnen wird auch vorgeworfen, Sie würden Mitspieler mehr anmotzen als motivieren …
Das stimmt ebenfalls nicht. Natürlich bin ich ein Typ, der immer gewinnen will. Mit diesem Ehrgeiz habe ich viel rausgeholt aus dem Talent, das ich besitze. Aber ich bin nicht mehr so aufbrausend wie mit 20 oder 21. Und prinzipiell, selbst wenn der Ton auf dem Platz mal rauer sein sollte, will ich nie jemandem etwas Böses, sondern nur das Beste fürs Team. Ich habe zu sehr vielen Spielern und Funktionären Kontakt. So ein schlechter Mensch, als den mich manche hinstellen möchten, kann ich dann wohl doch nicht sein.
Gibt es Dinge, von denen Sie sagen: Das würde ich in Zukunft anders machen?
Ich denke, dass ich mich zu sehr auch um Probleme anderer gekümmert habe und dabei von dem einen oder anderen ausgenutzt worden bin. Es gab eine Mentalität, dass sich mancher hinter zwei, drei anderen Spielern – Axel Keller und Thomas Hübener beziehe ich da mit ein – verstecken konnte. Wir haben in der Öffentlichkeit auch dann den Kopf hingehalten, wenn es nicht gut lief und Ärger gab.
Axel Keller meinte, er bewundere Sie dafür, so lange ruhig geblieben zu sein. Wie haben Sie das geschafft?
Meine Verlobte Inga, meine Eltern und meine Freunde haben mir sehr viel Kraft gegeben. Auch die Reaktionen der Fans waren zu 90, 95Prozent positiv. Ich habe sehr viel Zuspruch erhalten zum Beispiel bei Facebook. Das weiß ich zu schätzen. Außerdem wusste ich, dass ich nichts verbrochen hatte, was der neue Trainer jetzt auch mal klargestellt hat. Das mag doof klingen, aber was passiert ist, war eine wichtige Lebenserfahrung.
Was haben Sie gelernt?
Wenn es heißt, Fußball ist ein dreckiges Geschäft, weiß ich jetzt, wie sich das anfühlt.
Hat Sie Dynamo jetzt ausgezahlt, damit Sie wechseln?
Definitiv nicht. Über Vertragsmodalitäten sollte man nicht reden, aber ich kann eines sagen: Ich bin dem Verein erneut sehr entgegengekommen, weil ich den Schlussstrich ziehen und die Sache mit Halle perfekt machen wollte.
Was hat den Ausschlag für den HalleschenFC gegeben?
Die ehrlichen Gespräche mit Trainer Sven Köhler und Manager Ralf Kühne. Für mich ist es wichtig zu merken, dass ich gebraucht werde. Trotz der Regionalliga ist Halle nicht die schlechteste Adresse.
Und mit welchen sportlichen Zielen gehen Sie dorthin?
Das Konzept des HFC passt. Sie werden eine ordentliche Truppe auf die Beine stellen. Top-Favorit ist natürlich RBLeipzig. Mannschaften wie Kiel, Lübeck oder WolfsburgII werden mit um den einen Aufstiegsplatz streiten. Und wir wollen sie ein bisschen ärgern.
Sven Köhler war bei Dynamo Assistent von Christoph Franke. Ist er ein ähnlicher Typ wie der Erfolgstrainer?
Mit Christoph Franke hatte er auf jeden Fall einen sehr guten Lehrmeister. Er ist nun seit vier Jahren in Halle, und der HFC war immer oben dabei, spielt guten Fußball. Ich freue mich, mit ihm wieder zusammenarbeiten zu können.
Wie schätzen Sie die Chancen von Dynamo in Liga zwei ein?
Aufstieg?
Es wird ein sehr schwieriges Jahr. Dynamos Faustpfand sind die Fans. Ich wünsche den Jungs alles Gute, dem Verein den Klassenerhalt und werde es aus der Ferne beobachten.
Ist der Wechsel für Sie wie eine Befreiung?
Ja. Es war eine sehr, sehr unangenehme und schwere Zeit für mich.
Jammerschade… Es gibt sehr, sehr wenige im Verein die so schwarzgelb denken wie er.